Eigentlich war es der pure Zufall, der Anja Kunick nach Delitzsch führte. Weil die Bundesliga-Partie zwischen dem FF USV Jena, deren Geschäftsführerin sie seit gut einem Jahr ist, und dem FC Bayern München ausgefallen ist, nutzte die 38-Jährige das Wochenende für einen Besuch in ihrer Heimat.

Da am Sonntag zudem das turnusmäßige Treffen der Schiedsrichter des Nordsächsischen Fußballverbandes (NFV) in Delitzsch stattfand, lag es für sie geradezu auf der Hand, die Runde zu besuchen. Schließlich machte sie 1996 in Delitzsch ihre Schiri-Prüfung. Damit legte sie den Grundstein für eine fast einzigartige, kometenhafte Karriere. Daran erinnerte natürlich NFV-Präsident Heiko Wittig, als er Anja Kunick offiziell begrüßte. Er selbst hatte mit ihr Landesligaspiele geleitet, war als Linienrichter tätig. Vielleicht werden auch diese Erlebnisse aus jener Zeit Eingang in das Buch finden, das im Moment im Entstehen ist und Mitte des Jahres rauskommen soll. Im Auftrag des Präsidiums des NFV zeichnete Heiko Wittig die ehemalige Lissaerin mit dem Ehrenpreis des NFV aus und verabschiedete sie aus dem Kreis der Schiedsrichter. Wittig hob das vorbildliche, langjährige Wirken der Frau hervor, die den Nordsächsischen Fußballverband auch weit über die Ländergrenzen hinaus bekannt machte.
Für die Ausgezeichnete war es ein besonderer Moment. Die Serie der Verabschiedung aus zahlreichen Verbänden findet in Delitzsch nun seinen endgültigen Abschluss, sagte sie. Das es hier passiere, sei ihr insofern wichtig, weil "hier meine Wurzel sind". "Es ist mir nicht so schwer gefallen, die Schirikarriere zu beenden", verriet die studierte Sportmarketing-Expertin. Sie habe in der aktiven Zeit einen hohen Preis dafür zahlen müssen, um Beruf und Schiedsrichtertätigkeit unter einen Hut zu bringen. Aber sie habe es gern getan, betonte sie. 88 Frauen-Bundesligaspiele standen unter ihrer Leitung. Als sie 2007 FIFA-Schiedsrichterin wurde, pfiff sie elf A-Länderspiele, darunter auch solche im Europapokal. 2012 wurde sie schließlich Geschäftsführerin beim FF USV Jena und verlor dadurch ihre Neutralität. Sie genieße die Zeit sehr intensiv, die sie nun mehr zur Verfügung hat.
Im ESV-Vereinsheim traf die junge Frau auf viele ehemalige Weggefährten und wurde von allen herzlich begrüßt. Auch ihren ersten Schiri-Beobachter, den Löbnitzer Günther Krause, erkannte die leidenschaftliche Fußballerin wieder. "Ich erinnere mich noch sehr genau an das C-Jugend-Spiel", sagte sie und wusste auch noch, dass es damals jede Menge Hinweise gegeben haben muss. Sie zeigte sich zudem sehr dankbar für die stetige Förderung, ohne die sie nie so weit gekommen wäre. Einen großen Anteil daran habe auch Heiko Wittig. An die Schiri-Kollegen gewandt, bat sie: "Lasst Euch nicht unterkriegen." Im NFV seien die Voraussetzungen sehr gut, derzeitigen Entwicklungen, die dem Fußball nicht gut tun, entgegenzuwirken. "Hier stimmen die Rahmenbedingungen." Ditmar Wohlgemuth

Fair-Play-Liga

Go to top